estefy en Mexico

Freitag, November 14, 2008

Hallo ihr Lieben,

in der Zwischenzeit haben wir Peru hinter uns gelassen und sind nun in La Paz in Bolivien (nicht die Hauptstadt, aber der Regierungssitz).

Mittlerweile sind wir stolze Bezwinger des Inca-Trails - besonders stolz daher weil wir in den 4 Tagen echt z.T. sehr krank gewesen sind (Erkaeltung mit Fieber, Hoehenkrankheit, Magen/Darm - einfach alles) und trotzdessen tapfer durchgehalten haben. Ok, mit sehr viel Jammerei und einem (teuren) extra Traeger am 2. Tag der uns unsere Rucksaecke abgenommen hat (eigentlich wollten wir sogar erst nen Esel fuer uns mieten...war leider nicht moeglich und vielleicht im Endeffekt auch ganz gut so :-)). Laut dem Glauben der Peruaner eilen die Seelen der IncaTrail-Bezwinger dem Koerper einige Tage voran und erleichtern so den Aufstieg fuer den Koerper - bei unseren Seelen ist da definitiv etwas schief gegangen (die waren wohl zu faul ;-))... Aber schaut man mal ueber ein paar Unannehmlichkeiten hinweg war der Trek einfach eine unglaublich tolle Erfahrung! Wir haben eine super Gruppe gehabt, tolle Guides und viele eifrige "Cheskys" (?!) - das waren unsere Traeger, Zeltaufbauer, Koeche etc die nach dem Campen alles schnell zusammengepackt haben und dann in einem Wahnsinnstempo (Chesky ist Quechua und bedeutet sowas wie schneller Laeufer) die zum Teil super steilen Berge rauf und runter gerannt sind um dann schon wieder das naechste Camp aufzubauen oder eine teatime (!!) mit Popcorn und Plaetzchen vorzubereiten. Das Essen war auch echt toll - es gab immer ein 3 Gaenge Menu vom Feinsten und am letzten Abend haben die Cheskys sogar eine riesige Torte (voller Kalorien) vorbereitet - fragt sich wie sie die die 3 Tage mit sich getragen haben... Aber nun zum wichtigsten: der Trail fuehrt durch unglaubliche Andengegenden mit viiielen hohen gruenen Bergen, moosbewachsenen Baeumen, reissenden Fluessen und hin und wieder alten Inka-Ruinen. Das Highlight am Schluss war dann natuerlich der Machu Picchu, das wohl beruehmteste Inka-Staedtchen wobei unser Guide immer wieder betont hat dass es weitaus groessere und wichtigere Staedte der Inkas gibt und dem Machu Picchu viel zu viel Bedeutung beigemessen wird. Dennoch ist diese Stadt wunderschoen und ein Besuch lohnt sich in jedem Fall!


Endlich auf dem Pass bei 4215m ueberm Meeresspiegel


Nach 4 Tagen endlich am Ziel: der Machu Picchu

Nach dem Trip haben wir uns nochmal einen Tag in Cuzco ausgeruht (der Muskelkater blieb verblueffenderweise aus - die Colca Canyon-Tour war wohl wirklich eine gute Uebung) und sind dann am Samstag weiter Richtung Titicacasee. Nach einem kurzen naechtlichen Zwischenstopp in Puno haben wir dann am Sonntag die bolivianische Grenze ueberschritten - im wahrsten Sinne des Wortes, weil man aus dem Bus aussteigen , offiziell aus Peru ausreisen (mit Passvorlage) und dann durch einen Torbogen laufen muss, um in Bolivien einzureisen. Erst dann gings weiter im Bus.
Der erste Unterschied zu Peru der uns auffiel war, dass die Haeuser hier FERTIG gebaut sind!! D.h. mit Dach und allem. In Peru fehlt naemlich nahezu saemtlichen Haeusern das Dach und es gucken ueberall diese haesslichen Eisenstaebe aus dem Beton, sodass Peru eigentlich einer einzigen Baustelle gleicht. Warum? Der Staat Peru erhebt auf fertig gebaute Haeuser eine unglaublich hohe Steuer, sodass alle Peruaner ihr Haus nicht ganz fertig bauen um diese Steuer zu umgehen. Sehr klug aber leider sehr sehr unschoen fuers Land... Bolivien scheint diese Steuer jedenfalls nicht zu haben, trotzdem schaut hier alles sehr arm aus. Kein Wunder: es ist das aermste Land Suedamerikas!


Typisches Stadtbild

Unser erstes Ziel war Copacabana, ein Mini-Dorf welches der Ausgangspunkt zu einem Kurztrip zur Isla del Sol im Titicacasee ist. Eigentlich hatten wir vor so richtig auf der Insel auszuspannen aber leider hat sie unsere Erwartungen mal so gar nicht erfuellt (keine Traumstraende, Haengematten oder aehnliches). Ganz im Gegenteil: der Nordteil der Insel hat uns regelrecht geschockt aufgrund der Einsamkeit und der Nachricht dass es kein fliessend Wasser gibt. Daher haben wir einen alten Bolivianer-Opa mit Boot fuer 120 Bolivianos angeheuert haben, uns zum Sueden der Insel zu bringen (das sind 12 Euro und hier verdammt viel Geld; davon kann man hier zu zweit in einem guten Restaurant essen und ne Flasche Wein dazu trinken). Im Sueden gab es zumindest ein klitzekleines bisschen Tourismus: es gab (leere) Hostels, (leere) Restaurants und fliessendes, elektrisch (ANGST!!) erwaermtes Wasser.


Elektrische Dusche

Es ist halt leider absolute Nebensaison und eine Zeit nach langer Regenpause (Regenzeit beginnt erst jetzt im Sommer) sodass uns alles sehr trist vorkam. Wir sind also schon nach einer Nacht wieder aufs Festland gefluechtet und haben dort in Copacabana einen Traum von einem Hostel gefunden (von einem Deutschen betrieben) MIT Haengematten (Juchuu) und wunderbaren Blick auf den tiefblauen Titicacasee! Da wir mittlerweile nach echter Entspannung lechzten haben wir kurzum entschieden dort ein paar Tage zu bleiben und einfach mal nichts anderes zu machen als uns im Bikini in die Haengematten zu legen und zu lesen etc. Das tat wirklich gut! Dort haben wir auch wieder 3 nette Leute von unserem IncaTrail wiedergetroffen (ein englisches Paerchen und ein Spanier), mit denen wir uns dann schon fuer ein Hostel in La Paz verabredet haben.


Blick vom Hostelgarten auf den Titicacasee


Entspannung im Jacuzzi


Schafinvasion beim Sonnenbaden im Hostelgarten

Gesagt, getan: nach einer sehr spektakulaeren Ueberquerung des Titicacasees mit dem Bus (wir durften Gott sei Dank aussteigen, waehrend der Bus auf ein paar Planken ueber den Titicacasee schipperte) sind wir in La Paz angekommen und haben die letzten Tage wieder ein wenig Grossstadtfeeling erleben duerfen (incl netter Party-Abenden).


Die bolivianische Busfaehre!!


Ausblick auf La Paz von der Hostel-Bar


La Paz

Zu La Paz: es ist eindeutig schoener als Lima - trotzdem ist es auch zum Teil recht arm und zerfallen, aber hier pulsiert das Leben. An jeder Ecke werden frische Saefte, Essen, Kaugummis aber auch Duschgel, Kleidung und CDs/DVDs angeboten. Man kann hier auch den Hexenmarkt besuchen, auf dem einige dubiose Mittelchen gegen alles und leider auch getrocknete Lamafoeten angeboten werden :-( Wenn man diese unter der Haustuer verscharrt, sollen sie angeblich Glueck bringen???!!!


(Eklige) Getrocknete Lamafoeten

Ein weiteres Highlight hier war unser Gefaengnisaufenthalt: keine Sorge, Anja hat noch keinen Mate de Coca geschmuggelt, wir sind ganz freiwillig rein um uns dieses besondere Gefaengnis "San Pedro" mal aus der Naehe anzuschauen. Sehr mutig wenn man bedenkt dass saemtliche Polizisten brav VOR den Gefaengnismauer postiert sind und die Gefangenen sich selbst ueberlassen. Dadurch hat sich in den letzten Jahren sowas wie eine eigene kleine Stadt entwickelt mit "Restaurants", Friseur, Saunen etc und einer gut laufenden eigenen Kokain-Produktion (wir haben dem Angebot ein paar Gramm zu kaufen brav wiederstanden!). Trotz der "guten" Infra-Struktur macht einem die Tatsache Angst, dass man zwischen freilaufenden Drogendealern, MOERDERN etc. umherlaeuft. Die Tour selber wird von den Gefangenen selber organisiert mit stillschweigendem Einverstaendnis der Waerter draussen. Ziemlich professionell organisiert, da es sogar eigene "Bodyguards" gibt (natuerlich selber Verbrecher) die einen waehrend der Tour auf Schritt und Tritt folgen. Eine einmalige Erfahrung, trotzdem waren wir echt froh, nach 2 Stunden heile wieder draussen zu sein!!!


Die Knackis: Unser Guide und Bodyguard


Die Gefangenen haben es sich schon schoen gemacht!

Unser naechstes Ziel ist Potosi, die hoechste Stadt der Welt (ueber 4000m ueber dem Meeresspiegel) und beruehmt fuer seine Silbermine. Die besuchen wir morgen und berichten beim naechsten Mal darueber!!

Wir hoffen, es geht Euch gut und freuen uns ueber News aus der Heimat!

Muchos Saludos,

Anja und Steffi